Chancen nutzen - Hohe Einnahmen für Gemeinden bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Trog, Teller, Tank und Steckdose - wir verlangen unseren Böden einiges ab. Pflanzen werden für Viehfutter und Bioethanol, für die Stromerzeugung und die Produktion von Nahrungsmitteln angebaut. Über 58 Prozent des Getreides - das entspricht ca. 25 Mio. Tonnen - dienen als Tierfutter. Nur ein Fünftel der deutschen Agrarprodukte sind tatsächlich für den direkten menschlichen Verzehr bestimmt.

Solarmodule können den Anbau von Mais für die „Fütterung“ von Biogasanlagen ersetzen. Sie müssen nicht wie Maispflanzen mit Grundwasser bewässert, mit Pestiziden gespritzt und mit Dünger versorgt werden – und sie produzieren bis zu vierzig Mal mehr Strom als durch den Mais auf der gleichen Fläche erzeugt werden kann. Im günstigsten Fall kommt es zu einer Doppelnutzung der Ackerfläche: unten die landwirtschaftliche Produktion und oben die Energieerzeugung an ein und derselben Stelle. Diese Kombilösung heißt Agro-Photovoltaik. Wie das funktioniert, konnten unsere Kreistagsabgeordneten Birgit Bader und Florian Profitlich gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten Isabell Hiekel und Clemens Rostock in Rathenow erfahren. Dort besichtigten die Politikerinnen und Politiker kürzlich das Forschungs- und Innovationszentrum der SUNfarming GmbH, wo Obst, Gemüse und Kräuter unter aufgeständerten Photovoltaik-Modulen angebaut werden.

Sollte Photovoltaik auf als Acker genutzten Flächen grundsätzlich mit Landwirtschaft kombiniert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Kreistagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN schon länger. Wie es funktionieren könnte, erklärt die Fraktionsvorsitzende Birgit Bader:

"Die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens wird fortgesetzt und die Betriebe erhalten durch die Stromproduktion ein Zusatzeinkommen. Die Kommunen profitieren von den finanziellen Abgaben der Betreiber. Zur Orientierung: Eine 20 Hektar große Solaranlage bringt der Stadt Templin beispielsweise Einnahmen in Höhe von 40.000,-€ im Jahr - und das 30 Jahre lang. Bürgerinnen und Bürger im Umkreis der Anlagen erhalten Zugang zu verbilligten Stromtarifen. Außerdem können sie sich finanziell an den Anlagen beteiligen und so selbst zu Investorinnen und Investoren werden, die jährliche Gewinne durch die Stromproduktion erwirtschaften. Dafür braucht es verbindliche Regeln. Die Details wollen wir Bündnisgrüne in den kommunalen Gremien diskutieren."

Beispiel Templin: Im Moment brauchen Landwirtinnen und Landwirte sowie Investorinnen und Investoren sehr viel Geduld. Seit einem Jahr schon gilt in der Kurstadt, wie auch in anderen uckermärkischen Kommunen, ein Moratorium für die Errichtung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen. In Templin läuft das Moratorium Ende Dezember 2022 aus. Bis dahin ist die Stadtverwaltung aufgefordert, einen Kriterienkatalog zu entwerfen, der sich an den Ergebnissen einer Bürgerveranstaltung im Frühjahr orientiert. Neben den landwirtschaftlichen Flächen werden in der Verwaltung auch die Kriterien für die städtischen Freiflächen (bspw. Parkplätze) erarbeitet. Diese Flächen können auf den Flächennutzungsplan der Stadt übertragen und als „Sondergebiete Solarenergie“ ausgewiesen werden. Bis Dezember sollen die Kriterien für landwirtschaftliche und städtische Flächen von der SVV debattiert und beschlossen sein.

"Doppelnutzung der Flächen, Einnahmen für die Gemeinden, Bürgerbeteiligung bei der Erarbeitung der Kriterien und geringere Strompreise sowie Investitionsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger: Dieses Verfahren könnte ein Vorbild für die ganze Uckermark und darüber hinaus sein." fasst der Vorsitzende des bündnisgrünen Kreisverbandes Uckermark, Patrick Telligmann zusammen.

Wer Interesse hat, das Forschungs- und Innovationszentrum der SUNfarming GmbH in Rathenow mit eigenen Augen zu besichtigen und kritische Fragen zu stellen: Am Dienstag, den 23. August besteht wieder eine Möglichkeit dazu. Interessentinnen und Interessenten wenden sich bitte per E-Mail an vorstand@remove-this.gruene-um.de.

 

Quellen:
https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-verstehen/wie-arbeiten-foerster-und-pflanzenbauer/was-waechst-auf-deutschlands-feldern
https://dserver.bundestag.de/btd/19/308/1930899.pdf (S. 32-33)
https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/Landwirtschaft-verstehen.pdf?__blob=publicationFile&v=8
https://www.gbk-brandenburg.de/solarparks-auf-landwirtschaftlichen-flaechen/

https://sunfarming.de/blog/tag/rathenow


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