10.02.2009

Neue Techniken der Energiespeicherung und Netzintegration

 

Herr Diwald ging zunächst auf die Energieversorgung als Ganzes ein, stellte dann das Konzept des Hybridkraftwerks vor, wie es auch in Prenzlau geplant ist und sprach dann über Zukunftskonzepte und die Schwierigkeiten, die der Realisierung der Ablösung von fossilen Energieträgern im Wege stehen.

Die Energieversorgung mit Strom erfolgt in Deutschland ohne Berücksichtigung der Zukunft und ohne Gesamtkonzept. Jeder Strom- Einspeiser arbeitet für sich. Bei koordinierter Planung wären viele Probleme der Windkraftwerke vermeidbar, die auf unzureichender Netzauslegung bei Spitzenstrom beruhen. Windenergie wird auch in Zukunft den größten Anteil an erneuerbarer Energie liefern. Sie weist den höchsten Wirkungsgrad auf, ist technisch ausgereift und kann in Kombination mit anderen erneuerbaren Energien eine sichere, wirtschaftliche Energieversorgung bereitstellen.

Die von ENERTRAG gebauten Hybridkraftwerke nutzen den Strom an windreichen Tagen zur elektrolytischen Erzeugung von Wasserstoff. Das passiert in großen, ca. 6m langen Tanks. Innerhalb von Sekunden lässt sich Überschussstrom für die Elektrolyse umschalten. Die Tanks haben eine hohe Standzeit, was das Verfahren preisgünstig macht. Der Wasserstoff wird jedoch nicht mittels eigener Gasturbinen verstromt, sondern ins öffentliche Gasnetz eingespeist. Zur Erfüllung von Auflagen, die den Wasserstoffanteil im öffentlichen Gasnetz beschränken, wird der Wasserstoff mit Biogas gemischt. Biogasanlagen gehören folglich zum Hybridkraftwerk dazu. Die Speicherkapazitäten im öffentlichen Gasnetz sind derzeit noch vollkommen ausreichend. Gaskraftwerke haben einen hohen Wirkungsgrad, und sie können sehr flexibel auf einen erhöhten Strombedarf reagieren. Auch Hybridkraftwerke sind technisch ausgereift und werden bereits in mehrere europäische Länder exportiert.

 

Bei einer Erhöhung der Windstromerzeugung und dem vermehrten Einsatz von Hybridkraftwerken wäre eine größere Gasspeicherkapazität erforderlich. Die einfachste Möglichkeit wäre es, die im Boden in etwa 1000 m Tiefe vorhandenen Kavernen und Salzstöcke zu nutzen. Zurzeit bemühen sich jedoch Vattenfall und RWE, die Kavernen für sich zur Speicherung von CO2 aus den geplanten, mit teurer CSS-Technologie betriebenen Braunkohlekraftwerken (Carbon segregation and storage) zu sichern. Damit nehmen sie den Erneuerbaren Energien die Option, diese kostengünstige Speicherkapazität zu nutzen (die Kavernen könnten uns schon jetzt als Erdgasspeicher unabhängiger von Russland machen).

Die Speicherung von CO2 ist nicht ungefährlich. Das verflüssigte CO2 steht unter hohem Druck und kann sich, wenn es entweicht, weil schwerer als Luft, wie ein Teppich am Boden ausbreiten. Bei Windstille könnte es zur großflächigen Erstickung aller atmenden Lebewesen kommen. Außerdem stellen die Speicher eine unverant­wortliche Belastung zukünftiger Generationen dar.

Weitere Möglichkeiten, Engpässe der Stromlieferung zu vermeiden, sieht Diwald im Strommanagement. Dabei erfolgt eine flexible Lastverschiebung, siehe www.kombikraftwerk.de

Diwald berichtete auch über ein sehr unkooperatives Verhalten, insbesondere von E.ON, beim Anschluss der Windkraftwerke an das öffentliche Stromnetz.

 

 



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