Rede von Patrick Telligmann bei der Einweihung der neuen Gedenktafel am Berliner Tor in Templin

Wie zivilisiert eine Gesellschaft ist, zeigt sich auch daran, wie sie mit den dunkelsten Kapiteln ihrer Vergangenheit umgeht und mit denjenigen, die sich nicht nur dieser Auseinandersetzung verweigern, sondern das Gegenteil wollen, die eine „Wende in der Erinnerungspolitik um 180 Grad“ fordern. Die in Potsdam erneut ihre Endlösung debattieren und unliebsame ERNEUT zunächst(?!) nach Afrika deportieren wollen. Die mit antisemitischen Chiffren operieren, von „Globalisten“ und „internationalen Finanzeliten“ schwadronieren und damit doch eigentlich „die Juden“ meinen.

Für die Zerstörung einer Gedenktafel braucht es nur einen Dummen. Für die Reparatur braucht es mindestens einen Aufrechten und für die Erinnerung und zur Vermeidung der Wiederholung dessen, was sich nicht wiederholen darf, noch viel mehr vernunftbegabte Menschen. Am besten alle, jedenfalls diejenigen, die es ernst meinen mit dem "Nie wieder!" – nicht nur im Wahljahr.

Wir sind viele. Aber die Beschädigung der Tafel und der Blick in die Zeitung, auf die Umfragewerte der blau-braunen Extremisten zeigen uns, dass wir noch mehr werden müssen. Die Tafel ist wieder da, wo sie hingehört. Gut so. Aber es bleibt viel zu tun: Miteinander reden. Zuhören. Machen.

In diesen Tagen finden viele Demos gegen rechte Extremisten und für unsere Demokratie statt. Das ist ein Anfang. Und ich bin dankbar dafür. Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg hat's auf den Punkt gebracht: "Wer jetzt nicht aufsteht, hat nichts verstanden. (...) Es ist 5 vor 12." Also: Packen wir’s an!



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